Presse

PARNASS, Ausgabe 3/2017, Seite 84ff

Kunkel
Fine Art

„In Vergessenheit geratene Künstler aufzuspüren und das Interesse an ihrem Werk neu zu entfachen“, antwortet der Münchener Kunsthändler Alexander Kunkel auf die Frage, was ihn an seinem Beruf besonders reizt. Und fügt hinzu:

„Es ist für mich immer wieder faszinierend, auf Zeichnungen, Gemälde oder Skulpturen von heraus­ragender Qualität zu stoßen, deren Urheber heute nahezu unbekannt sind. Dann recherchiere ich und häufig stellt sich heraus, dass der vermeintlich Unbe­kannte zu Lebzeiten kaum weniger etabliert war als viele seiner fest im Kanon der Kunstgeschichte verankerten Künstlerkollegen. An diesem Punkt wird es nicht nur kunsthistorisch, sondern auch kunst­markt­technisch spannend – sowohl für den Händler als auch für den Sammler.“

Die deutsche Kunst des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die den Schwerpunkt des Kunsthandels bildet, ist in dieser Hinsicht ein besonders ergiebiges Feld. Fest im Programm sind Hauptvertreter der Salon- und Secessionskunst wie Max Klinger, Franz von Lenbach, Adolph Menzel, Max Slevogt, Franz von Stuck, Hans Thoma oder Lesser Ury. Sie geben den Maßstab vor für diejenigen Künstler, die Kunkel dem „erweiterten Kanon“ zuordnet. Zu diesem zählen beispielsweise Otto Greiner, Wilhelm Kuhnert, Paul Meyerheim, Richard Müller, Charles Palmié, Franz Skarbina oder Friedrich Stahl. „Der Anspruch an die künstlerische Qualität ist dabei das A und O. Da viele meiner Kunden profilierte Kollegen, enthusiastische Sammler beziehungsweise renommierte Museen sind, würde ich mir schon aus Imagegründen keinen Gefallen tun, hier Kompromisse einzugehen.“

Mit diesem Konzept hat sich Kunkel seit Gründung seines Unternehmens 2012 in verhältnismäßig kurzer Zeit fest im deutschen Kunsthandel etabliert und zählt mit 38 Jahren zu dessen jüngsten Hoffnungsträgern. Seit 2016 firmiert er als Co-Geschäftsführer der HIGHLIGHTS – Internationale Kunstmesse Mün­chen. Auch als Autor und Kurator ist Kunkel schon hervorgetreten. Zudem erregt er mit Themen­ausstellungen zur Kunst um 1900 mehrmals im Jahr die Aufmerksamkeit eines stetig wachsenden Kundenstamms. Dabei spielt auch eine lebendige Vermittlung, etwa in Form von Art Talks, eine wichtige Rolle.

Aber zurück zur Frage, wie Kunkel in Vergessenheit geratene Künstler am Markt neu positioniert. „Um die Qualität von Künstlern der ‚zweiten Reihe‘ zu veranschaulichen, gibt es kein besseres Mittel, als sie neben Künstlern der ‚ersten Reihe‘ zu zeigen. Im unmittelbaren Vergleich kann der Betrachter für sich entscheiden, welchem der Werke er den Vorzug gibt oder eben nicht. Ich vertraue auf die Urteilskraft des Auges und die Lust der Menschen auf Ent­deckungen.“ Dass diese Künstler oft noch ver­häl­tnismäßig preiswert sind, ist eine Chance für eine jüngere Generation Kunstinteressierter. „Hier möchte ich angehenden Sammlern attraktive Ein­stiegs­mög­lichkeiten geben. Mir liegt viel daran, dass sich die Begeisterungsfähigkeit von Kunst­freun­den meines Alters auch auf die ältere Kunst bezieht. Denn sie ist häufig sehr viel näher an unserem heutigen Lebens­gefühl, als man ihr auf den ersten Blick ansieht.“


Kunkel Fine Art
Prinzregentenstraße 71 | 81675 München www.kunkelfineart.de

Max Klinger
Schlafende, um 1880
Feder auf Papier, 22 x 28 cm

HIGHLIGHTS
MÜNCHEN

Dr. Alexander Kunkel Dr. Alexander Kunkel Foto © Markus Kehl

Von 25. bis 29. Oktober 2017 findet in der Residenz München die achte Ausgabe der HIGHLIGHTS statt. PARNASS sprach mit Co-Geschäftsführer Alexander Kunkel über die Ausrichtung und Vision der inter­na­tio­nal anerkannten Kunstmesse.

PAULA WATZL: Was ist das Einzigartige am Messekonzept der HIGHLIGHTS?

ALEXANDER KUNKEL: Die HIGHLIGHTS wurde 2010 von einem Kreis international renommierter Kunsthändler gegründet. Sie untersteht keinem externen, kommerziell orientierten Messe­veran­stal­ter. „Klein, aber fein“ war und ist das Credo der HIGH­LIGHTS, die sich als Messe „von Kunst­händlern für Kunst­händler“ versteht. In enger Absprache mit einem internen Arbeits­kreis bestimmen zwei Geschäftsführer die stra­tegi­sche Posi­tion­ierung und Ent­wicklung der Messe. Als Kunst­händler haben alle Aussteller unter­schied­liche Schwer­punkte, wodurch eine hohe fach­liche Kom­pe­tenz auf breiter Basis sicher­gestellt wird.

PW: Wo liegen die Schwerpunkte der teil­neh­men­den Kunsthändler?

AK: Die Aussteller der HIGHLIGHTS decken ein breit­gefä­chertes Spektrum unter­schied­licher Kunst­epo­chen und -gattungen ab. Ihr An­gebot reicht von der Gotik bis zur Gegen­wart, vom tradi­tionellen Kunst­hand­werk bis zur bildenden Kunst. So werden Sammler von Möbeln, Glas, Porzellan oder Silber auf der HIGHLIGHTS ebenso fündig wie Liebhaber von Zeichnungen, Gemälden oder Skulp­turen. Selbst­verständlich sind auch Fotografien, Schmuck und außer­europäische Artefakte auf der Messe vertreten.

PW: Wie positioniert sich die Messe innerhalb des nationalen und inter­natio­nalen Kunst­handels?

AK: München als Standort der HIGHLIGHTS resultiert aus der traditionellen Stärke der bayerischen Landeshauptstadt im deutschen Kunsthandel; etwa jeder vierte Aussteller hat hier seinen Stammsitz. Die Namensgebung der Messe betont den Anspruch an die hier vertretenen Kunsthändler und ihre Exponate. Durch eine im nationalen, aber auch internationalen Vergleich überdurchschnittlich hohe Qualität an Ausstellern ist es uns gelungen, die HIGHLIGHTS innerhalb weniger Jahre in der europäischen Top-Liga der Kunstmessen zu positionieren.

PW: Was dürfen sich Besucher vom Rahmen in der Münchner Residenz erwarten? Wovon ist das Ambiente und Design der Messe bestimmt?

AK: Die Münchner Residenz liegt im Herzen der Stadt, ihre Mauern atmen die Geschichte Bayerns und seiner Kunst von der Renaissance bis zum 20. Jahrhundert. Intensiv erlebbar wird dies im Residenzmuseum, der Schatzkammer oder dem Cuvilliés-Theater. Die Bronzesäle mit ihren Meisterwerken der italienisch-deutschen Bildhauerkunst um 1600 sind bereits räumlicher Bestandteil der HIGHLIGHTS. Das Messedesign und die Architektur stammen von Tom Postma, der unter anderem auch für die Gestaltung der TEFAF in Maastricht sowie der ART Basel verantwortlich zeichnet. Das elegante Design der Messe ist minimalistisch und reduziert; die Kunstwerke stehen im Vordergrund.

PW: Dies ist Ihre erste Messe gemeinsam mit dem neuberufenen Co-Geschäftsführer Christian Eduard Franke-Landwers. Welche Neuerungen erwarten die Besucher zur achten Ausgabe der HIGHLIGHTS?

AK: Ziel von Christian Eduard Franke-Landwers und mir ist es, die HIGHLIGHTS durch eine gut durch­dachte Durch­mischung der Aussteller­struktur sowohl in ihren Grundsätzen zu stärken als auch für die Zukunft zu öffnen. Konkret bedeutet dies, dass wir zum einen Vertreter der alten Kunst, zum Beispiel den renommierten Senger Kunst­handel aus Bamberg, eingeladen haben, zum anderen aber auch offen sind für neue Formate (Gemein­schafts­aus­stel­lungen) sowie junge Händler und junge Kunst. Ein beson­derer Fokus wird in diesem Jahr auf dem Bereich der Fotografie liegen. Von Anbeginn ein Schwer­punkt der Messe, wird die Fotografie den Besucher bereits im Foyer der Messe erwarten.


HIGHLIGHTS – Internationale Kunstmesse München
Residenz München | Eingang Hofgarten Residenzstraße 1 | 80333 München www.munichhighlights.com

 

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