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Heine, Thomas Theodor
Durchs dunkelste Deutschland

1904
Tusche und Deckweiß auf Papier
40,3 x 37,7 cm
Rechts oben monogrammiert

Veröffentlicht:
Simplicissimus, Jahrgang 9 (1905), Heft 41, Titelblatt der Simplicissimus-Beilage

Karline, du oller Kesekopp, jeh doch mit den feinen Herrn mit! Vatern seine Leiche liegt nu schon vierzehn Tage uffen Sofa. Da jibt’s Moneten. Dann kenn mer’n inbuddeln lassen.

 

In der zwischen 1899 und 1910 erscheinenden Serie Durchs dunkelste Deutschland brachte Thomas Theodor Heine die sozialen Übel des Kaiserreichs in drastischer Weise zur Anschauung. Besonders ausgeprägt waren diese in der Millionenmetropole Berlin.

In der detailreichen Zeichnung führt Heine den Betrachter in ein trostloses Kellerverlies, in dem eine verwahrloste Arbeiterfamilie mit ihren drei Kinder haust. Von einem verschlissenen Sofa aus überblickt der bereits verstorbene Vater die unheimliche Szene. Während die Mutter die beiden jüngeren Kinder bei sich hat, steht die älteste Tochter neben einem untersetzten Herren in Pelzmantel und Zylinder. Kaltschnäuzig wird das ängstlich aufblickende Mädchen angewiesen, sich dem Freier hinzugeben, um die Kosten für die Beerdigung des Familienoberhauptes zahlen zu können.

Die Drastik der Heine’schen Milieustudie hat bis heute nichts von ihrer schockierenden Wirkung eingebüßt. Schonungslos verbindet sie die Frage nach moralischer Schuld mit der ausweglosen Situation der in soziale Not geratenen Familie.

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