VON DER VILLA HÜGEL AUF DIE HIGHLIGHTS

HIGHLIGHTS Internationale Kunstmesse

Bruno Piglhein, Ägyptische Schwerttänzerin, 1891

Vom 22.-25. Oktober lud die HIGHLIGHTS Internationale Kunstmesse München in den historischen Räumlichkeiten der Residenz zu einem abwechslungsreichen Rundgang mit hochkarätigen Kunstschätzen von der Antike bis zur Gegenwart ein. Eine besondere Entdeckung ist das Gemälde Ägyptische Schwerttänzerin von Bruno Piglhein am Stand von Kunkel Fine Art. Es zierte einst die prominenteste Industriellenvilla Deutschlands, die Villa Hügel in Essen.

Malerfürst in spe

In der Kunst des späten 19. Jahrhunderts spielt die Darstellung der Frau eine wesentliche Rolle. Malerfürsten wie Franz von Lenbach oder Friedrich August von Kaulbach verewigten für hohe Summen die Eleganz der Damen aus Geburts- und Geldadel und Franz von Stuck schuf mit seinem Sensationsbild Die Sünde den Prototyp der femme fatale. Kaum weniger bekannt war damals Bruno Piglhein, der durch die Verbindung des Erotischen mit dem Exotischen in aller Munde war. Mitte der 1880er Jahre hatte der an den Kunstakademien von Weimar und München ausgebildete Maler mit einem die Kreuzigung Jesu Christi darstellenden Monumentalgemälde, für dessen Vorbereitung er eigens nach Jerusalem gereist war, Aufsehen erregt und den Grundstein für seine weitere Karriere gelegt.

Piglhein, Kreuzigung Jesu Christi

1886 wurde Piglhein Professor der Münchner Akademie, 1889 Präsident der Münchner Glaspalastausstellung und 1892 Erster Vorsitzender der Münchner Secession. Als er 1894 im Alter von 46 Jahren an den Folgen einer schweren Krankheit starb, verlor die deutsche Kunst einen ihrer vielversprechendsten Salonmaler.

Bruno Piglhein im Atelier

Grüße aus dem Orient

Wie viele seiner Zeitgenossen war Piglhein von der Exotik fremder Länder fasziniert. Dies galt vor allem für den Orient, der den bildenden Künsten Europas seit jeher wichtige Impulse gegeben hatte. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts sorgten die ein Millionenpublikum anziehenden Weltausstellungen für die Verbreitung orientalischer Produkte und Artefakte, so dass immer mehr Künstler in die nach und nach auch touristisch erschlossenen Ursprungsländer reisten, um sich ein Bild von den Sitten und Gebräuchen der dort lebenden Menschen zu machen. Auf Grundlage des vor Ort angefertigten Studienmaterials entstanden in den heimischen Ateliers aufsehenerregende Gemälde, die auf internationalen Kunstausstellungen reißenden Absatz fanden und den Orientalismus zu einer vielbeachteten künstlerischen Strömung werden ließen. Im Mittelpunkt des Interesses stand dabei Ägypten, das Piglhein auf der Durchreise nach Jerusalem im Frühjahr 1885 kennengelernt hatte.

Bruno Piglhein, Die Blinde im Mohnfeld, 1889

Eine moderne Sphinx

Auch wenn Piglhein aufgrund seines motivisch breit gefächerten Oeuvres nicht als Orientalist im engeren Sinne bezeichnet werden kann, sind mehrere seiner nach 1885 entstandenen Hauptwerke mit den auf der Reise nach Jerusalem empfangenen Eindrücken verknüpft. Bilder wie Die Grablegung Christi (1888), Die Blinde im Mohnfeld (1889) oder Die Ruhe auf der Flucht nach Ägypten (1890) verraten das starke Interesse des Künstlers an der historischen wie symbolischen Bedeutung des Orients, wobei kaum eines seiner Gemälde die Faszination dieses Kulturkreises so deutlich widerspiegelt wie die 1891 vollendete Ägyptische Schwerttänzerin. Das in Überlebensgröße angelegte Werk gibt eine in aufrechter Haltung dem Betrachter gegenübersitzende junge Frau mit entblößtem Oberkörper wieder.

Ägyptische Schwerttänzerin im Atelier Bruno Piglheins

Die leicht angewinkelten Arme hat sie nach unten gestreckt, wobei ihre Hände die beiden Enden eines mit Elfenbein und Edelsteinen verzierten Säbels umfassen. Dieser ruht auf den Oberschenkeln der hoheitsvoll herabblickenden Schönheit und deutet die von ihr ausgehende Gefahr an. Zusätzlich steigert der Künstler die exotische wie erotische Anmutung seines Modells durch deren roten Ohrschmuck, goldene Kreole sowie kostbares Geschmeide. Die mit malerischer Verve delikat gesetzten Rot- und Goldtöne kontrastieren zugleich mit den schillernden Grüntönen des Hintergrundes, der durch eine außerhalb des Bildraumes befindliche Lichtquelle von unten her erleuchtet wird. Wer könnte sich dem Anblick dieser sphinxartigen Erscheinung entziehen?

 

Bruno Piglhein, Ägyptische Schwerttänzerin – Detailansichten

Isar, Spree und Ruhr – und einmal retour

Wenige Wochen nach Piglheins Tod im Sommer 1894 richtete die Witwe des Künstlers eine große Gedächtnisausstellung in dessen Münchner Atelier aus. Diese wurde ein Jahr später von der Berliner Nationalgalerie übernommen, wobei über die Hälfte der 75 Exponate zum Verkauf stand. Zu den herausragenden und von der Presse erwähnten Werken der Ausstellung zählte die Ägyptische Schwerttänzerin, die kein geringerer als Friedrich Alfred Krupp aus Essen zum stolzen Preis von 4.000 Goldmark erwarb. Der damals wichtigste Großindustrielle Europas hatte nicht nur zu den wichtigsten Sammlern und Förderern Piglheins gezählt, sondern war dem Künstler auch privat freundschaftlich verbunden, seitdem dieser ihn und seine Frau im Jahr 1891 porträtiert hatte. Während die beiden in Lebensgröße angelegten Bildnisse noch heute die riesige Empfangshalle der Villa Hügel zieren und Besuchern aus aller Welt einen Eindruck vom Unternehmerstolz ihrer einstigen Besitzer vermitteln, wurde die Ägyptische Schwerttänzerin als Teil der im Privatbesitz der Familie Krupp verbliebenen Kunstsammlung zu Beginn der 1980er Jahre veräußert. Nach knapp vier Jahrzehnten ist sie nun erstmals wieder öffentlich auf der HIGHLIGHTS in der Residenz München zu sehen.

Villa Hügel, Essen